Test: Captain Toad: Treasure Tracker

Von Lars Peterke am 02. Januar 2017

Vor gut einem Jahr hüpfte Nintendos Vorzeigeklempner Mario durch sein neues 3D-Abenteuer. In diesem Spiel sollte auch eine zweite Figur ihren ersten großen (spielerischen) Auftritt haben: Captain Toad, der tapfere Entdecker. Findige Spieler kennen ihn bereits als Zaungast aus Super Mario Galaxy. In Super Mario 3D World durften Spieler zum ersten Mal selbst die Kontrolle über Captain Toad ergreifen, um sich in kleinen Rätseleinlagen Erholung vom stressigen Jump&Run-Alltag zu gönnen. Diese Spieleinlagen verstanden sich als direkter Gegenpart zum Jump & Run-Genre und kamen bei Fans so gut an, dass Nintendo noch während der Entwicklung von Super Mario 3D World entschied, dem Captain sein ganz eigenes Spiel zu widmen. Wir sind in Captain Toad: Treasure Tracker auf Schatzjagd gegangen und verraten euch, ob das ehemalige Randkonzept genug Futter bietet, um ein eigenständiges Spiel zu tragen.

Oh Captain, mein Captain!

Das Spielkonzept von Captain Toad ist so simpel, das man es auf einen Bierdeckel bekommt. Ihr werdet mit dem Pilzkopf in ein kubisches Level geworfen, das gerade so den Bildschirm ausfüllt und den Anschein eines Dioramas erweckt. Dort müsst ihr euchjeweils einen Power-Stern krallen, der irgendwo im Level platziert ist. Mit dem linken Analogstick steuert ihr Toad durch das Level, mit dem rechten könnt ihr die Kamera um das Level herum rotieren oder auch eine Vogelperspektive auf das Geschehen erlangen. Da Captain Toad nicht springen kann, müsst ihr euch nach Leitern, Rampen oder anderen Mechanismen umsehen, wenn ihr höheres Terrain erreichen wollt. Ihr könnt euch außerdem von Abhängen stürzen, um das darunterliegenden Areal zu erreichen.

Damit wäre dann auch schon das komplette Spielkonzept erläutert. Zumindest so, wie man es aus Super Mario 3D World kennt. Für Captain Toad: Treasure Tracker musste Nintendo natürlich tiefer in der Gameplay-Trickkiste buddeln, damit das Spiel auch langfristig unterhält. Da wäre zunächst eine Rahmenhandlung. Captain Toad hat sich für seine Abenteuer nämlich weibliche Unterstützung besorgt und wird von der tapferen Toadette begleitet. Diese wird allerdings von einem Riesenvogel entführt und will nun von Captain Toad gerettet werden.

Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dass die Rahmenhandlung in mehreren Etappen zum Abschluss gebracht wird. Captain Toad: Treasure Tracker teilt sich nämlich in mehrere Episoden auf, die im Hauptmenü durch Bücher repräsentiert werden. In jedem Buch wird mit dem Analogstick von Seite zu Seite geblättert, auf denen sich die einzelnen Levels zur Auswahl befinden. Das Buch ist dabei belebter, als man zunächst denken mag. Hin und wieder wehen neue Seiten herein, über die ihr Zugang zu kleinen Minispielen erhaltet. Diese geben euch meist ein straffes Zeitlimit, in dem ihr möglichst viele Münzen sammeln könnt um dadurch weitere Extraleben zu erhalten.

Recycling aus der Mario-Kiste

Damit für genug Abwechslung in den Leveln gesorgt ist, bedient sich Nintendo vieler Elemente aus Super Mario 3D World. So wird beispielsweise bei den Items größtenteils Gewohntes geboten. Es gibt rote Pilze, 1UP-Pilze und auch das Kirsch-Item findet in manch einem Level Anwendung. Sammelt ihr eine Kirsche ein, verdoppelt sich Toad, wodurch ihr an zwei Orten gleichzeitig sein könnt. Neu hingegen ist die Spitzhake, mit der Captain Toad für eine begrenzte Zeit massive Blöcke kurz und klein hacken kann, um so neue Areale zu öffnen.

Ebenfalls neu dabei sind Grasbüschel, die ihr via A-Knopf aus dem Boden zieht. So erhaltet ihr Münzen, Items oder eine der aus Super Mario Bros. 2 bekannten Rüben. Rüben kann Captain Toad werfen, um damit beispielsweise Gegner auszuschalten. Oftmals sind dies Shy Guys, Gumbas oder Piranha-Pflanzen, doch auch viele andere Widersacher aus dem Mario-Universum finden ihren Platz in Captain Toads Abenteuer.

Man mag Captain Toad: Treasure Tracker zunächst für ein Puzzle-Spiel halten, doch der Schein trügt. Der Titel ist zu genau so großen Teilen ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem der Weg das Ziel ist. Hierzu sind in fast jedem Level Schalter in allen Formen und Farben platziert. Mit ihnen rotiert, zieht oder aktiviert man verschiedene Mechanismen, um so jeden Winkel des Levels zu erreichen. Die einzelnen Levels verstehen sich also nicht als Puzzle, sondern ähneln eher einem Uhrwerk. Der Spieler muss verstehen, wie das Uhrwerk funktioniert, welche Schalter wann zu betätigen sind und an welchen Stellen Timing gefragt ist, damit es am Ende Zwölf schlägt und der Power-Stern erreicht werden kann.

Dieser Ansatz ist übrigens nicht so ernüchternd, wie er klingt. Sich ein auf den ersten Blick undurchsichtiges Level Stück für Stück zu erarbeiten, ist mindestens genauso spaßig wie die Lösung eines Puzzles, auch wenn dabei weniger Grips benötigt wird. In Sachen Schwierigkeitsgrad siedelt sich Captain Toad: Treasure Tracker klar in den unteren Regionen des Spektrums an. Die ersten fordernden Levels finden sich erst in der dritten Episode des Spiels.

Auch bei der audiovisuellen Präsentation hat Nintendo seine Bestände geplündert. Viele Soundeffekte und Musikstücke kennt man bereits aus Super Mario 3D World und viele Levels sehen wirklich so aus, als hätte man eine Spielwelt des letzten Klempner-Abenteuers auf Würfelform geschrumpft. Das ist aber keinesfalls negativ aufzufassen, denn in den meisten Fällen sind die Levels so mit Details vollgestopft, dass alles sehr lebendig wirkt. Nur manchmal herrscht Tristesse, die generelle Qualität der Optik kann aber überzeugen. Dazu gesellen sich auch genügend neue Ausgestaltungen, beispielsweise ein leicht orientalisches Setting.

Viel zu tun für Captain Toad

Glücklicherweise haben sich die Entwickler nicht nur auf den Lorbeeren von Marios letztem Hüpfabenteuer ausgeruht, sondern auch neue Aspekte in das Spiel eingebaut. Besonders hervorzuheben sind da die Lorenfahrt-Levels. Während der Fahrt im Bergwerkswagen nutzt der Spieler das Gamepad, um sich in vollen 360 Grad umzusehen und mit Rüben um sich zu werfen. Das lockert den Spielablauf ungemein auf und weckt sogar ein paar Erinnerungen an das gute alte Superscope aus SNES-Zeiten.

Neben den Lorenfahrten muss hin und wieder auch ein Bosskampf bestritten werden. Diese sind super inszeniert, werden aber leider oft recycled. Ebenfalls toll ist die Verwendung der Touch-Blöcke, die sich über ein Antippen über das Gamepad in unterschiedliche Stellungen bringen lassen. Auch die Plattformen, die sich durch Pusten ins Gamepad-Mikrofon aktivieren lassen, finden sich im Spiel. Beide Spielelemente wurden jedoch besser genutzt als noch in Super Mario 3D World.

Bei allen Facetten bleibt das Spielprinzip im Kern aber immer gleich. Der Spieleinstieg ist einfach und nach einiger Übung flitzt man recht flott durch die Levels. Manche sind locker in unter 90 Sekunden zu absolvieren. Damit hier für den Spieler mehr zu tun ist, befinden sich in jedem Level drei Super-Diamanten, die oft auf Umwegen eingesammelt werden müssen. Sie sind nicht nur essentiell für einen komplettierten Speicherstand, sondern werden teilweise auch benötigt, um weitere Levels freizuschalten. Wer Zutritt zu den letzten Levels des Spiels erlangen möchte, ist daher gezwungen, recht gewissenhaft auf Diamantenjagd zu gehen.

Zusätzlich zu den Super-Diamanten wird pro Level eine Zusatzaufgabe gestellt. Nur wenn diese Aufgabe erfüllt wird, gilt ein Level als komplett abgeschlossen. Ärgerlicherweise wird die genaue Aufgabe erst aufgedeckt, wenn das Level bereits absolviert wurde. Entweder löst man diese Aufgabe also durch Zufall, oder man ist gezwungen, ein Level mehrmals zu spielen. Und wer es dann wirklich komplett machen will, der kann auch noch die sehr sportliche Aufgabe ins Auge fassen, die Bestzeit eines jeden der insgesamt 64 Levels des Hauptspiels zu unterbieten. Wer alle Winkel von Captain Toad: Treasure Tracker entdecken will - und dazu gehört auch so manches freischaltbare Bonus-Level - ist locker mehr als 10 Stunden mit dem Titel beschäftigt.

Fazit:

Captain Toad: Treasure Tracker ist ein toller Genremix aus Puzzle- und Geschicklichkeitsspiel, das insbesondere auf Grund der vielfältigen Inszenierung nie langweilig wird. Etwas vermisst haben wir jedoch ein paar wirklich große und besonders fordernde Levels. Außerdem war uns der Recycling-Grad der verschiedenen Spielelemente teilweise etwas zu groß. Insbesondere bei den Bosskämpfen hätten wir uns ein wenig mehr Abwechslung gewünscht und auch ein paar mehr wirklich neuartige Elemente wie beispielsweise die Lorenfahrt-Level hätten dem Spiel gut zu Gesicht gestanden. So hatten wir leider ein wenig zu oft das Gefühl, nur eine alternative Fassung von Super Mario 3D World im Miniaturformat zu spielen, bei der die Hauptfigur nicht springen kann. Das verhindert zwar eine wirklich hohe Wertung, ist aber gleichzeitig auch Meckern auf hohem Niveau. Der Titel ist in jeder Ecke glattgeschliffen, poliert und ein Paradebeispiel für Nintendos Qualitätsstandards. Und der clevere Mix aus Puzzle und Geschicklichkeit innerhalb der sorgsam konstruierten Level gefällt mir persönlich besser als das für Solisten oft zu simple Super Mario 3D World. Fans des Genres dürfen also bedenkenlos zugreifen und auf Schatzsuche gehen. Und bei einem Erfolg wären wir schon sehr verwundert, wenn Nintendo den einen oder anderen Kritikpunkt nicht noch nachträglich mit DLC-Inhalten adressiert.

Wertung:

8.5

Lars Peterke meint:

"Captain Toad feiert ein durch und durch gelungenes Debüt! Mehr davon!"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

19 Kommentare:


Krugigi
vor 3 Jahren | 0
Wow, das ist dann ja doch eine relativ hohe Wertung für so eine Art von Spiel. Gefällt mir aber! So kann meine Vorfreude auf den 2.Januar noch mehr steigen :-)

Marioserbe
vor 3 Jahren | 0
Sehr cool ist gekauft, habe aus solch eine Wertung gehoft.

Behemoth
vor 3 Jahren | 0
Gibt es einen Leveleditor? Kann ich mir online weitere Level herunterladen?

RealJack
vor 3 Jahren | 0
Ich kann nur immer wieder sagen, dass ich mich auf den Titel freue und gespannt bin.
Wenn gleich ich nicht bereits beim Release zuschlage.... muss ja erst mal die begonnenen Spiele fertig spielen bevor ein neues kommt :-)

Der R
vor 3 Jahren | 0
@Behemoth:
1. Nope
2. (Ich glaube) momentan nicht, aber sehr realistisch dass weitere Levels als DLC folgen.

JedenCore1979
vor 3 Jahren | 0
Schönes Review. Tja, das neue Jahr fängt schon richtig gut an.

Tobsen
vor 3 Jahren | 0
Super, ich freu mich sehr drauf!
Und alle die immer nölen, Nintendo brächte nie neue IPs raus: 2015 sind's schon zwei. Namentlich Captain Toad und Splatoon. Beide sind für mich Pflichtkäufe.

P.s.: Eigentlich dachte ich, Rami würde den Test schreiben, nachdem er schon die Videos erarbeitet hat. Wir. Woll'n. Den. Rami. Seh'n. Wir woll'n den Rami seh'n. ^_-

KeeperBvK
vor 3 Jahren | 0
Captain Toad ist aber keine neue IP (Intellectual Property). Toad und das ganze Drumherum gibt es schließlich schon sehr lange. Anders geartetes Gameplay macht keine IP. ;)

Tobsen
vor 3 Jahren | 0
Hmmm... das ist ein guter Punkt; Du hast recht^^.

Dann formuliere ich es mal so:
Und alle die immer nölen, Nintendo brächte nie neue Spiele raus, sondern immer nur Fortsetzungen bereits etablierter Spieleserien: 2015 sind's schon zwei neue. Namentlich Captain Toad und Splatoon. Beide sind für mich Pflichtkäufe.

Ramii
vor 3 Jahren | 0
@ Tobsen
Haha vielen Dank :D
Ich werde schon noch zu meinem Einsatz kommen :)

Samus_Aran
vor 3 Jahren | 0
Die Toad-Videos sind auch alle von mir Tobsen, wir haben uns nur zwecks Einheitlichkeit (und im Bezug auf die Überraschungen die da noch kommen) dazu entschieden, das Ramy sofern möglich künftig alle WiiUX-Videos einspricht, dazu gehören dann eben auch Reviews oder WiiUX spielt :)

McClane
vor 3 Jahren | 0
Nintendo bringt keine neuen IP!

KeeperBvK
vor 3 Jahren | 0
@ McClane: Doch, Splatoon...auch wenn die Tintenfische mich arg an Marios Blooper erinnern. :D

McClane
vor 3 Jahren | 0
Um mal etwas konstruktiv zu sein. :D

Spatoon finde ich sogar richtig interessant. Ich warte aber erst einmal ab, ob Previews die Hoffnungen bestätigen. In einem Thread im Forum schrieb ich ja, dass dies seit gefühlten Ewigkeiten die erste "richtige" neue IP ist.

Was Toad angeht: Ich fand das Konzept bei Mario 3D Wold ganz nett, aber für ein ganzes SPiel? Als Budget.Titel komms wohl für mich infrage.

Belphegor
vor 3 Jahren | 0
Krass. Ihr vergebt mal eine richtig gute Wertung für so ein Spiel. Hätte mit deutlich weniger Punkten gerechnet.

Ich freu mich auch schon drauf - sogar mehr als auf SSB. Für mich ein Day One Kauf am Ende meines Weihnachtsurlaubs!

Belphegor
vor 2 Jahren | 0
Also ich habe CTTT schon seit ein paar Tagen und kann nur sagen das dieses Game einfach ein super knuffiges, bis ins kleinste Detail liebevolles, wirklich schön umgesetztes Puzzle-Minispiel. Toads Einstand ist in allen Belangen geglückt und wir möchten mehr davon. Für mich eins der drei besten Wii U Spiele 2014!

ProG4M3r
vor 2 Jahren | 0
Ich bin nicht WiiUX, weshalb ich meine Wertung mal vom "Was bedeutet das?" abgrenzen will, in dessen Rahmen die 8.5 für Captain Toad vollkommen gerechtfertigt ist.

Captain Toad macht seine Sache zweifelsohne gut, aber es ist noch deutlich Luft nach oben... in einigen belangen.

rongar
vor 2 Jahren | 0
Bin in der Mitte des 2. Buches angekommen. Zeit für eine Bewertung: Grafik und Sound wie von Nintendo zu erwarten gut; Spielbarkeit gut; leider fehlt ein 2 Spieler Modus; größere Levels sind wohl technisch (Kemera und so) nicht machbar und so ist die Schwierigkeit etwas gering. Das wichtigste ist der Spielspaß und der passt. Endlich mal wieder ein Spiel das diese Bezeichnung auch verdient und ich hoffe Nintendo legt Ende des Jahres einen weiteren noch besseren 2. Teil nach. Es muss nicht immer ein Mega-Umfangreiches Vollpreis Spiel sein das viel Entwicklungszeit verschlingt. Gerne kann Nintendo weitere Spiele (wie auch das kommende Kirby) in dieser 39,99 Euro Preisregion veröffentlichen. Fazit: Schönes Spiel!

Hettwer
vor 2 Jahren | 0
Bin begeister vom Spiel kann es jeden ans Herz legen. nur is der TV da unnötig.